Hirtenbach

Wieso bedeutet der Ortsname Hardebek „Hirtenbach“? Weshalb wurde jetzt die Aue renaturiert?  Und wieso gibt es auf dem Presten am Johanneskamp auf einmal eine  Dünenlandschaft?

 

Wieso  bedeutet der Ortsname Hardebek  übersetzt Hirtenbach?

Schaut euch mal die Fläche am Johanneskamp an, neben der Aufforstung: Sand, Teiche und daneben die Aue, die in Kurven entlang plätschert. Ungefähr so hat Hardebek mal ausgesehen.

Was ist dann  passiert?

Schleswig-Holstein war mal echt nur Wasser, bis auf den Kalkberg in Segeberg, der eigentlich ein Gipsberg ist. Dann kamen verschiedene Eiszeiten. Die Gletscher türmten riesige Flächen Sand auf dem Geestrücken auf. Wir leben auch  auf so einem Geestrücken. Die Fachleute sagen zu den Auftürmungen„ Sander“, wir würden ganz einfach Binnendünen dazu sagen. Und es gab sogenannte Auniederungen, in denen sich Menschen niedergelassen haben, so ungefähr ist auch Bad Bramstedt entstanden.

Tja, Sand ist nicht gerade fruchtbar. Doch die eine oder andere kleine Pionierpflanze findet Halt, irgendwann ist dann auch die Heide da. Wenn ihr heute mal die neu angelegten Dünen anschaut, findet ihr Spitzwegerich, Erlenableger und verschiedene Gräser. Schon kommt der Hirte mit seinen Ziegen,  später auch Schafen ins Spiel.

 Es gab natürlich auch einen Bach bzw. Auen. Die Besiedlung war so dünn, die Welt der früheren Bewohner so klein, dass ein Ausflug nach dem heutigen Hasenkrug schon eine kleine Weltreise war.  So war es naheliegend, dass ein einzelner Ur-Einwohner nach dem Bach  benannt wurde, an dem er wohnte  = „thom Hartbeke“. In etwa heißt das heute „zum Hirtenbach“.  Der damalige Hirtenbach fließt heute noch parallel zur Lindenstraße hinter den Grundstücken vorbei.

Die Bäche/ Auen verliefen in Schleifen, dazu sagt man auch mäandrieren. Sie veränderten je nach Eintrag z.B. durch den Regen auch mal ein wenig ihren Lauf. Es staute sich Sand auf und das Wasser suchte sich einen neuen Weg. Es gab sogenannte Kolke, das sind tiefe Stellen am Rande der Au.

 

 Im Winter frieren sie nicht so schnell zu und sind tief genug, um z.B. Fröschen Winterquartier zu bieten. Und es gab in den Uferbereichen Schutz durch überhängende Äste sowie Pflanzen am Bach. Dadurch fand viel Kleingetier seine Heimat und Fische fühlten sich auch wohl.

Ungefähr um 1960 und später  wurden bei uns wie auch in ganz Deutschland die Bäche und Auen begradigt. Man dachte, dass sich die Flächen so besser bewirtschaften lassen und die  Bäche und Auen könnten auch besser kontrolliert und  gepflegt werden. Was man damals nicht wusste, ist, dass durch die Begradigung das Kleingetier seine Schutzbereiche verlor und dort  nicht mehr leben mochte. Die Ufer waren steil, wenn ein Dackel dort hinein fiel, hatte er arge Mühe, wieder an Land zu kommen. Auch Fische hatten nur noch wenig Schutz im Uferbereich und kamen oftmals nur zur Durchreise geschwommen bzw. mochten dort nicht mehr so oft laichen.

In den letzten Jahren  sind unsere Auen wieder umgebaut und fließen wie früher in Schleifen. Stellt euch mal auf die Brücken und schaut euch die Verläufe an. Hier und da fängt auch Kleingetier an, sich wieder anzusiedeln. Für die Fische gibt es an Faschinen Unterschlupf, das sind geflochtene Zweige, die in die Ufer eingebaut wurden.

 

 Die Ufer sind viel flacher und es besteht die Hoffnung, dass die Urenkel der früheren Tiere sich dort wieder ansiedeln. Mit ihnen auch Pflanzen wie z.B. der Ehrenpreis (Blume des Jahres 2018).

Und was ist mit den Binnendünen?

Ja, auch die sind wieder angelegt: wenn ihr zum Johanneskamp fahrt zwischen der Brücke und der Aufforstung der Landesforsten könnt ihr sie sehen: Dünen und Teiche, die auch im Sommer mal austrocknen können. Für Amphibien ein ideales Gebiet – wenn die Fläche nicht zu sehr von Spaziergängern genutzt wird. Solange sie sich im feuchten Sand eingraben können und nicht dauernd Hundepfoten sie wieder ausbuddeln wollen, geht es ihnen da gut. Wenn nichts passiert, werden sich die Pionierpflanzen breit machen und die Entwicklung setzt wie damals wieder an, als aus den Sandflächen langsam, ganz langsam, Ackerland wurde.

 

Im Moment haben wir der Natur ein Stück wiedergegeben. Wir selber haben auch etwas davon, mindestens für das Auge, aber auch für die Artenvielfalt.  Ob das so bleibt, hängt von uns allen und euch, den nachfolgenden Generationen ab.

Ulla Kern

Hardebek im Juni 2018